Wenn ich anfange Kommentare in anderen Blogs schreibe, die länger sind als mancher Blogbeitrag hier, dann ist es wohl doch an der Zeit, selber ein bisschen Content zu produzieren, der länger ist als ein Kommentar.

Christian Schmidt, Ex-Gamestar und Mit-Podcaster bei “Stay Forever”, hat sich gestern auf SpOn einen Text veröffentlicht, den man ein bisschen als Augenblickaufnahme und Kritik der aktuellen Situation im Bereich der Spieletests sehen kann. Gunnar Lott, seines Zeichens auch Ex-Gamestar und die andere Hälfte des Podcasts “Stay Forever”, hat das ganze dann in einer längeren Form nochmal, garniert mit einer Einlassung seinerseits, auf seinem Blog zur Verfügung gestellt.

Was soll man sagen? Christian Schmidt scheint jetzt der Philipp Lahm der Spiele-(be)schreibenden Zunft zu sein. Ein Nestbeschmutzer… Einer, der jahrelang genau diese Mechanismen genutzt hat um damit Geld zu verdienen und jetzt den Kollegen vor den Kopf stößt mit unglaublichen Forderungen. Die Wellen schlagen (medienpräsent) vielleicht nicht ganz so hoch, aber er ist ja auch kein Fussballer.

Aus Konsumentensicht kann ich nur eines sagen:

Er hat Recht!


…zumindest was die Art der Rezensionen angeht. Über verlagsinterne Hintergründe kann ich da wenig sagen. Interessiert mich, als derjenige, der dann am Ende das Heft in der Hand hält, auch wenig. Außer die Zeitschrift wird eingestellt

Je öfter ich etwas über das Problem der Rezensionen lese, umso mehr kommt es mir vor, als wäre es ein Generationenkonflikt. Während die Redaktionen (gefühlt) immer gleich alt bleiben, sind die Konsumenten gealtert. Ich zähle mich, als Generation 25-30, einfach mal dreist dazu und weise als Referenz den Atari ST und den C64 vor. (Ich weiß noch, dass man eine autoexec.bat anpassen musste und für fast jedes DOS-Spiel irgendwann eine eigene hatte…).

Diverse Spielezeitschriften waren für mich früher eine Hausnummer und die Tests wurden regelrecht verschlugen. Geblieben, oder überlebt, davon hat grad mal die GameStar, die ich von Zeit zu Zeit immer noch lese. Allerdings auch nur, um mich dann zu ärgern, dass dich dafür Geld ausgegeben habe. Und das aus mehreren Gründen.

Die letzte Ausgabe, die ich als Spontan-Kauf im Laden gekauft habe, war die Prä-Gamescom Ausgabe, aus der ich eigentlich auch nur einen Test gelesen habe. Das war der zu Panzer Corps und auch nur, weil es ja der legitime Nachfolger von Panzer General ist und ich wissen wollte, was sie an der Spielmechanik gedreht haben und ob es nicht vielleicht einen Kauf wert ist. Der Rest des Hefts wurde eigentlich, wie immer öfter, hastig überblättert, unmotiviert quergelesen und hinterließ mich am Ende überrascht mit einem “Hä? Das war’s schon? Und dafür habe ich jetzt fast 5 € ausgegeben?” als Klolektüre liegengelassen. Seitenweise Previews, Ausschweifende Interviews und Darstellungen zum neuen Star Wars usw. Die Tests, wie von Christian Schmidt beschrieben, eigentlich sehr technisch angegangen und wenig auf das Herz des Spiels eingegangen. Ginge es danach, hätte ich mir nur Panzer Corps gekauft, weil der Artikel mit sowas wie Herzblut und Kennertum der alten Serie geschrieben war. Das einzige Mal, dass ich mich verstanden und kuschelig zu Hause fühlte auf meiner Reise durch die Seitenwelt der Gamestar.

Vielleicht bin ich da ein Einzelfall, aber die Kommentare und Blogeinträge auf anderen Seiten weisen eher in eine andere Richtung, aber mich interessiert nicht mehr all zu sehr wie ein Spiel auf welcher Hardwarekombination läuft. Bewusst “nicht mehr”. Zum einen hat der kalte Krieg des Hardware-Wettrüstens mittlerweile, den Konsolen sei Dank, sehr stark auf die Bremse getreten und zum anderen bin ich wohl in Würde gealtert. Ich brauche nicht mehr jedes Spiel am Releastag in allerhöchster Auflösung zu spielen um dann damit irgendwo rumprollen zu können. Dazu fehlt mir neben RealLife und Arbeit schon die Zeit. Sicherlich ist eine nette Grafik hilfreich bei der Stimmung, aber wie Christian schon schrub, es gehört viel mehr eine sanfte Balance dazu mich ins Spiel zu ziehen und mich ans Spiel zu fesseln. Und genau das ist es, was mir in vielen der Printtest fehlt und mich an der Schreibe mancher Blogger erfreut.

Spiele sind doch mehr als nur Pixel, Polygonen und ein Waffenarsenal. Die meisten ernsthafen Spiele, abgesehen von den wirklich stupiden Fortsetzungen, leben doch von ihrem Esprit und dem Charme den sie verströmen. Ich will doch als Spieler in die Welt gesaugt werden. Ich will als Spieler mit meiner Figur mitfiebern, mitleiden und mich mit ihr mitfreuen. Die Distanz zwischen Spiel und Wirklichkeit für einen Moment verlieren. Wenn ich an meinem Rechner sitze und 100% weiß dass ich an meinem Rechner sitze, dann macht es doch selbst bei einem Fifa nur halb so viel Spaß, dass ich meine Mannschaft grad zur Meisterschaft geführt habe.

Aber genau das ist es, was mir bei vielen herkömmlichen Spieletests einfach fehlt. Klar muss man sich am Ende auf eine relativ objektive Note festlegen und die lässt sich nunmal leichter an technischen Details festmachen, aber es interessiert mich im Grunde eher weniger wie die aussieht. Ich möchte als Spieler und Käufer doch eher wissen, was das faszinierende ist an diesem Spiel und warum ich genau für dieses Spiel mein Geld ausgeben sollte oder eben nicht. Das schließt technische Details ja gar nicht aus. Natürlich möchte ich verlässlich wissen, wenn das Spiel sich als Bugseuche entpuppt und so gar keine Bindung zum Spieler aufkommen lässt, aber irgendwo möchte ich dann doch ein bisschen was emotionales haben und nicht nur den Hinweis, dass das Waffenmodel jetzt aus mehr Polygonen als im vorherigen Teil besteht.

Das hier dann vorgeworfen wird, dass ein Spiele-Feuillton daraus werden soll ist irgendwo auch Mist, aber Mist, den sich die Redakteure selber vor die Türe gelegt haben. Immerhin versucht man doch seit Jahren das Medium Videospiele als Kunstform darzustellen und zu etablieren. In einigen Fällen durchaus zu Recht und bei vielen anderen Fällen eher nicht… Und wie jeder aus Erfahrung weiß, liest sich ein Buch viel schneller, wenn man erstmal reingesaugt wird und es von der ersten bis zur letzten Seite nicht weglegen kann. Sowas ist doch auch in einer Buchrezension ein Verkaufsargument: Dichte Story und tolle Charaktere mit Sogwirkung! Warum also nicht auch bei einem Videospiel.

Die GEE hat dafür eigentlich immer gute Beispiele gebracht. Es wurde nicht alles “getestet”, aber es waren dann meistens Tests mit Herz meist fernab von technischen Details. Und eben die finde ich jetzt eher im Netz auf Blogs und Communities als in Printmagazinen. Ich kann es auch nicht oft genug wiederholen, die letzte Review die mich gepackt hat, war die zu Deus Ex -  Human Revolution aus der Wired. Eine gute Review und das Spiel hatte mich. Und zwar von totalem Desinteresse zu einem Must-Have. Warum kann das nicht auch ein andere Printmedium in Deutschland, dessen Hauptklientel genau auf sowas zugeschnitten ist?

Es bleibt zu hoffen, dass die getroffenen Hunde sich den Appell vielleicht zu Herzen nehmen. Ich schätze nämlich, dass die Zielgruppe der Spieler, und ich spreche hier von Core-Gamern, nicht den Casuals, die neben Geld verdienen und Familie gerne noch hin und wieder ein bisschen was spielen wollen, schon recht groß ein. Während zu jedem Mist ein Middle-Age und sonstwas Magazin rauskommt, dass auf den Mann/die Frau zwischen 25 und 40 zugeschnitten ist, scheint dieses Segment im Bereich der Videospiele komplett zu fehlen. Oder die Verlage sind der Meinung, dass man als Berufstätiger Familienvater/mutter nicht mehr zu spielen hat.

Ich verspreche, ein Magazin, dass sich ernsthaft mit der Welt der Videospiele auseinandersetzt, jenseits des Kiddiewahns, mir ausgewählte Perlen und ein bisschen Gadget- und Culture-Life außenrum serviert: Ich bin einer der ersten der am Kiosk steht und das Ding kauft und wenn es wirklich überzeugt auch abonniert. Ich brauche das nicht mal mehr monatlich, da reicht es vollkommen wenn es alle zwei Monate, und dafür auf einer qualitativ und journalistisch hochwertigen Ebene, erscheint.

Und jetzt, liebe Redakteure und Verlage, ich warte… ;)